Sonja Ablinger bei der Landesfrauenkonferenz mit 99% zur Vorsitzenden wiedergewählt.
Im Kultur- und Veranstaltungszentrum Hörsching (KUSZ) fand gestern, Samstag die Landesfrauenkonferenz der SPÖ Frauen OÖ statt, bei der Landesfrauenvorsitzende NRin Sonja Ablinger mit 99% der Stimmen wiedergewählt wurde. Das Motto „Freundschaft braucht Gleichberechtigung“ zog sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung und die SPÖ Frauen machten klar, was sie in den eigenen Reihen damit meinen: „Reißverschluss-Prinzip bedeutet Halbe/Halbe in der Politik.“ Prominente Gäste der Veranstaltung waren u. a. Nationalratspräsidentin Mag.a Babara Prammer und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek.
Nadja Bucher, eine junge Künstlerin aus der Poetry-Slam-Szene eröffnete die Landesfrauenkonferenz und ging mit gewitzten Texten unter anderem der Frage nach, warum Frauen denn so aus dem öffentlichen Bild gedrängt würden. Die Bezirksfrauenvorsitzende von Linz-Land, LAbg. Gisela Peutlberger-Naderer hob in ihrer Begrüßung hervor, dass Frauen sich mit Freundschaft stärken. „Diese Solidarität und Freundschaft, die geballte Frauenpower, die bei solchen Konferenzen zusammenkommt, motiviert uns auf unserem Weg zu einem sicheren, selbstbestimmten Leben, betonte auch die Wiener Frauen-Stadträtin Sandra Frauenberger. In ihrem Referat, „Wir Frauen lassen uns nicht länger vertrösten. Umsetzung jetzt!“ beschwor sie das Hochhalten der Solidarität der Frauen untereinander. „Nur so kann es gelingen, die Machtverhältnisse zu ändern, wie es uns zusteht: 50% der Ressourcen, 50% der Versorgungsarbeit und 50% der Macht!“
„Begehbare Befragung“
zur Teilhabe in der Politik
Gleich im Foyer des KUSZ konnten die Frauen im Rahmen einer originell konzipierten „Begehbaren Befragung“ mittels rot bemalter Holzstäbchen, die auf Tischen zu ausgewählten Fragen platziert werden sollten, ihre Meinung bzw. Einschätzung hinsichtlich der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen im politischen Leben kundtun. Es zeigte sich: Frauen sind überzeugt, dass sie auch in der SPÖ mehr leisten müssen, um ähnliche Positionen wie Männer zu erreichen und dass der Weg dorthin ohne die Quotenregelung noch schwieriger wäre. Für die SPÖ Frauen OÖ ist das Reißverschluss-Prinzip, das künftig bei allen Listenerstellungen vor Wahlen zur Anwendung kommen soll, daher die wirksamste Maßnahme gegen „frauenlose“ Fraktionen ist. Das heißt: Jeder Frau folgt ein Mann oder umgekehrt, damit Frauen sich nicht länger mit hinteren Listenplätzen begnügen müssen.
Umsetzung jetzt
Die Umsetzung dieses Reißverschluss-Prinzips ist das Ziel für die Gemeinderatswahlen 2015. Dafür wird derzeit ein umfangreiches Strategie- und Umsetzungskonzept erarbeitet, wobei immer wieder deutlich gemacht wird, dass dieses Projekt eine Aktion der gesamten Landespartei und nicht nur der SPÖ Frauen ist, betonte Sonja Ablinger in ihrem Ausblick auf die künftige Arbeit. In einem Rückblick konnte sie auf zahlreiche und vor allem breit gestreute Aktivitäten der SPÖ Frauen verweisen: Aktionstage, teilweise gemeinsam mit der Landespartei, die auch in den Regionen stattfinden, jährliche Veranstaltungen zum Internationalen Frauentag, Frauenneujahresempfänge, der Frauenratgeber „Marie“, der jedes Jahr neu aufgelegt wird, interessante Vortragsabende und Runde Tische zu aktuellen Themen, Bildungsveranstaltungen für Gemeinderätinnen, sowie zahlreiche Aktionen im Rahmen des Frauenbündnis 8. März und noch vieles mehr.
Gleichstellung der Geschlechter erleben
In einem kurzen Talk steckten die Teilnehmerinnen ihre Ziele und Wünsche ab: Gabi Heinisch-Hosek will, dass die Gehaltsschere schon im nächsten Jahr kleiner geworden ist. Der Weg dorthin stellt eine große Herausforderung für die Gewerkschaften dar, ist AK-Vizepräsidentin Christine Lengauer überzeugt. Barbara Prammer möchte, dass zumindest die Generation ihrer Tochter die absolute Gleichstellung der Geschlechter erleben kann und die Klubobfrau im OÖ. Landtag, Mag.a Gerti Jahn, hofft, dass es bald keiner endlos langen Debatten mehr bedarf, damit Frauen in Führungsposition kommen.
Feministische Errungenschaften schätzen
In einer zweiten Talkrunde erörterten Sandra Frauenberger, Gabi Heinisch-Hosek, Sonja Ablinger und SJ-Vorsitzende Fiona Kaiser das Spannungsfeld, in dem der Feminismus sich derzeit befindet. Zum einen wurde bereits viel erreicht – viele Errungenschaften werden vor allem von jungen Frauen aber heute oft als selbstverständlich hingenommen – zum anderen gibt es noch viele offene Forderungen. Gerade jetzt, in Zeiten der Wirtschaftskrise laufen Frauen wieder Gefahr, am Arbeitsmarkt an den Rand gedrängt zu werden. Die Forderungen daraus: Frauen müssen nach dem Wert ihrer Arbeit und nicht nach ihrem Geschlecht bezahlt werden, sie müssen von ihrem Einkommen leben können und Teilzeitarbeit darf für sie nicht zum Dauerparkplatz werden. Da Frauen längst nicht an allen Hebeln der Macht sitzen, gelte es, Bündnispartner auch bei den Männern zu suchen.
Alle Anträge und Resolutionen an die Landesfrauenkonferenz wurden beschlossen und das Team im Landesfrauenvorstand mit einem überwältigenden Vertrauensvotum ausgestattet.