Wahlfreiheit braucht Angebot: Jede zweite OÖ-Schule soll Ganztagsschule werden
„Die Struktur unseres Schulwesens stammt im Wesentlichen noch aus der Zeit von Maria Theresia, als die Bevölkerung in arme Leute, in Bürgerschaft und in Adelsstand aufgeteilt war. Diese ständischen Trennlinien sind noch immer in unserem Bildungssystem erkennbar und müssen dringend durchbrochen werden, damit alle Kinder die bestmöglichen Bildungschancen erhalten – unabhängig von Elternhaus und finanziellen Möglichkeiten“, argumentiert SPÖ-Klubvorsitzende Mag.a Gertraud Jahn bei ihrer heutigen Rede zum Budgetlandtag. Die vorrangige Herausforderung ist der Ausbau der integrierten Ganztagsschulen auf 50 Prozent aller oberösterreichischen Schulen.
Die Ganztagsschule kann nicht auf ihren Nutzen für berufstätige Eltern reduziert werden. Integrierte Ganztagsschulen, bei der sich Unterricht, Freizeit, Förderung und Sport über den Tag verteilt abwechseln, leisten viel mehr. Sie vereinen bessere Bildungschance für Schulkinder mit einer Unterstützung der Familien und stärken das Gemeinschaftserlebnis. Lernen und Hausaufgaben finden an der Schule statt – die Zeit in der Familie steht für echte Gemeinsamkeit zur Verfügung. „Ich nenne immer das Beispiel der Volksschule Perg, die als integrierte Ganztagsschule geführt wird. Kinder, Eltern und Lehrerkräfte sind begeistert, der Lernerfolg ist hoch und die Aggression der Kinder geht stark zurück“, stellt die SPÖ-Klubvorsitzende fest. Die von Bildungsministerin Claudia Schmied geschaffenen Möglichkeiten für den Ausbau der Ganztagsschulen sind die Grundlage für die Weiterentwicklung des Schulwesens in Oberösterreich. 34 Millionen Euro an Bundesgeldern stehen allein für Oberösterreich im Zeitraum 2011-2014 zur Verfügung.
Neue Mittelschule, Ausbau der Ganztagsschule – es bewegt sich jetzt viel im österreichischen Schulwesen. Wie erfolgreich Oberösterreich die anstehende Schulreform bewältigen wird, werde – so Jahn – auch davon abhängen, ob die politische Bereitschaft dafür gegeben ist. „Wenn ÖVP-Bildungsreferentin Hummer qualitativ hochwertige Ganztagsschulen als gefährliche Drohung bezeichnet, dann zeugt das von einem rückständigen Bildungsverständnis. Da sind andere Kräfte in der ÖVP wie die Industriellenvereinigung schon weiter im Denken. Deshalb appelliere ich an die Bildungsverantwortlichen im Land ihre ideologischen Barrieren über Bord zu werfen und an der konstruktiven Weiterentwicklung des oberösterreichischen Schulwesens mitzuwirken. Das gemeinsame Ziel muss die beste Schule für alle Kinder sein – denn jedes Kind verdient die Chance auf bestmögliche Bildung“, schließt Jahn.