Familienfreundlichkeit als Turbo für den Arbeitsmarkt
Familienfreundlichkeit: Männer, Frauen, Kinder und die Wirtschaft profitieren.
„Unser Ziel ist, Oberösterreich zum Familien-Bundesland Nr. 1 zu machen. Neben dem Beitrag zur Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern kann dadurch auch die Wirtschaft gestärkt werden. Familienpolitik muss viel mehr als bisher Eingang in die Arbeitsmarktstrategie des Landes finden. Gerade in Zeiten, in denen der Arbeitsalltag von jungen Menschen enorm viel Engagement und Einsatzbereitschaft einfordert, sind Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam gefragt, das Thema Familienfreundlichkeit intensiv zu bearbeiten“, ist Oberösterreichs SP-Vorsitzende Birgit Gerstorfer überzeugt.
Was hat Familienfreundlichkeit mit der Arbeitswelt zu tun?
Eine ganze Menge. Vor allem, wenn es um das Thema Kinderbetreuung geht. Denn auch in Zeiten des beitragsfreien Kindergartens in Oberösterreich gibt es längst nicht überall ein Betreuungsangebot, dass mit den Anforderungen der heutigen Arbeitswelt vereinbar ist. Der Aufholbedarf in Sachen Kinderbetreuung ist vielfach belegt:
- Zu viele Schließtage
Im bundesweiten Durchschnitt haben Kinderbetreuungseinrichtungen (laut Kindertagesheimstatistik der Statistik Austria) im Beobachtungszeitraum 2014/15 jährlich an 21,9 Arbeitstagen geschlossen. Oberösterreich hat hingegen mit 28,5 deutlich mehr Schließtage zu verzeichnen. Das entspricht einem Zeitraum von fast 6 Arbeitswochen und kann daher von Berufstätigen nicht mehr mit Urlaub abgefedert werden.
- Teure Randzeiten-Betreuung für Gemeinden
Auch bei den geöffneten Stunden pro Betreuungstag liegt Oberösterreich im Bundesländer-Durchschnitt zurück. Von insgesamt 1.226 oberösterreichischen Kinderbetreuungseinrichtungen haben 274 zwischen 8 und 9 Stunden geöffnet, 225 zwischen 7 bis 8, 199 von 5 bis 6 Stunden und 184 von 6 bis 7 Stunden. „Lange“ Öffnungszeiten wie zum Beispiel 10 bis 11 Stunden, wo bundesweit die meisten Kinderbetreuungseinrichtungen zugeordnet werden, gibt es in Oberösterreich nur in 128 Einrichtungen. Eine lange Tagesöffnungszeit hat insbesondere für berufstätige Eltern den Vorteil von zusätzlicher Flexibilität. Außerdem kommen längere Öffnungszeiten auch den Anforderungen unterschiedlicher Arbeitszeitmodelle der Eltern entgegen.
- Zu wenig Angebote für Kleinkinder
Derzeit sind 5.749 Kinder in oberösterreichischen Krabbelstuben. Um die Durchschnittsquote aller Bundesländer von 23,8 Prozent zu erreichen und nicht mehr als Schlusslicht bei der Kleinkindbetreuung zu gelten, müssten Betreuungsplätze für weitere 4.312 Kinder geschaffen werden! Das knappe Angebot bei den Krabbelstubenplätzen führt häufig zu Konkurrenzsituationen. So kommt es regelmäßig vor, dass Mütter bei einer erneuten Schwangerschaft auch den Krabbelstubenplatz für das bereits in Betreuung befindliche Kind verlieren.
Tatsächlich geht es aber noch um viel mehr:
Eine Studie (Peter Hajek Public Opinion Strategies) im Auftrag des Familienministeriums belegt, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bereits enorme Bedeutung bei der Jobauswahl hat: Für 60 Prozent der Befragten war die Vereinbarkeit sehr wichtig, weitere 29 Prozent haben diese als wichtig bezeichnet. Nur für 9 Prozent war die Frage der Vereinbarkeit von Beruf und Familie weniger oder gar nicht wichtig. (Die restlichen 2 Prozent fielen unter Kategorie „weiß nicht“).
Im Ranking der 10 wichtigsten Kriterien bei der Jobauswahl kam Familienfreundlichkeit sogar auf Platz 2 – hinter einer „guten Bezahlung“. Familienfreundlichkeit zählt daher zu den wesentlichen „weichen“ Standortkriterien, wenn es etwa um die Ansiedelung von Schlüsselarbeitskräften geht. Die Ergebnisse der Studie zeigen darüber hinaus sehr eindrucksvoll, dass Familienfreundlichkeit und die Frage der Vereinbarkeit längst keine Frage mehr ist, die alleine aus Sicht der Frauen beantwortet werden kann. Familienfreundlichkeit – das ist ein Profit für Männer und für Frauen und betrifft uns alle.
Positive wirtschaftliche Effekte durch Familienfreundlichkeit
Das Institut für Familienforschung an der Universität Wien hat darüber hinaus festgestellt, dass ein für Familien attraktiver Wohnort sich über das Arbeitskräfteangebot positiv auf die Entwicklung regionaler Unternehmen auswirkt. Das wiederum fördert die Innovationsdynamik und Wettbewerbsfähigkeit einer Region. Und Regionen, denen es gut geht, bedeuten im Endeffekt mehr Einnahmen für die Gemeinden. Familienfreundliche Regionen und Kommunen entsprechen als Wohnorte besser den Ansprüchen und Vorstellungen der Beschäftigten und stellen damit den Unternehmen Arbeitskräfte quasi im besten Erwerbsalter zur Verfügung (Prognos AG 2004, S. 6). Durch erfolgreiches Standortmarketing können Regionen und Gemeinden positive Trends verstärken (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend; Prognos AG 2006, S. 90).
Familienfreundlichkeit bringt aber nicht nur Einnahmen und Wachstum, sondern kann auch beim Geldsparen helfen. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn familienfreundliche Maßnahmen das Ziel haben, „die Stabilität von Familien zu fördern und Eltern zu mehr Erziehungskompetenz zu verhelfen“. Dadurch wirkt Familienfreundlichkeit im Idealfall präventiv gegenüber sozialen Problemen und kann somit zu Einsparungen in Bereichen wie beispielsweise Jugendwohlfahrt, Krisenintervention und Jugendkriminalität führen.
Auch die Kinder profitieren von guter Betreuung
Sie haben soziale Kontakte mit Gleichaltrigen, bekommen kindgerechte Bildung in kindgerechter Umgebung, dazu durchgängige Betreuung mit Vertrauenspersonen. Außerdem gibt es gute, gleiche Startvoraussetzungen für alle Kinder. Und nicht zu vergessen ein warmes, gesundes Mittagessen.
SPÖ arbeitet auch im Landtag für Familien
Im Landtag hat der SPÖ-Klub zuletzt konkrete Maßnahmen für eine familienfreundliche Wirtschaftspolitik (Beilagennummer 122/2016) auf Landesebene eingefordert:
- Die Kinderbetreuungsangebote in Oberösterreich – insbesondere auch für Unter-3-jährige – in Quantität und Qualität auf das Niveau der Top-3-Bundesländer Österreich ausbauen.
- Familienfreundliche Arbeitszeitflexibilisierung und Home-Office-Angebote fördern.
- Den Ausbau von qualitativ hochwertigen betrieblichen Kinderbetreuungseinrichtungen vorantreiben.
- Die Schließzeiten der Kinderbetreuungsangebote in den Ferien auf maximal 5 Wochen reduzieren.
- Familienfreundliche Kriterien als Bedingung für die Wirtschaftsförderungen des Landes einführen (zum Beispiel flexible Gleitzeitmodelle, betriebliche Kinderbetreuung, Ferienangebote für Kinder von MitarbeiterInnen).
Den ebenfalls von der SPÖ beantragten „Rechtsanspruch auf einen bezahlten Papamonat auch für privatwirtschaftlich Bedienstete“ hat die SPÖ-geführte Bundesregierung in der Zwischenzeit bereits auf Schiene gebracht. Diesem Vorbild folgend soll nun auch das Land in seinem Gestaltungsbereich für Familienfreundlichkeit eintreten.
Kinderbetreuungsanfrage soll „Karten auf den Tisch“ bringen
Egal, ob Statistik Austria-Daten oder Kinderbetreuungsatlas der AK-Oberösterreich: Beim Thema Kinderbetreuung stellen die ÖVP-Landesverantwortlichen selbst Studien von besonders sorgfältig arbeitenden Instituten in Frage. Deshalb hat der SPÖ-Landtagsklub jetzt den Spieß umgedreht. Mit einer schriftlichen Anfrage wird Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Thomas Stelzer ersucht, die umfassenden Oberösterreich-Daten auf den Tisch zu legen. Die Anfrage wurde am 13. Juli 2016 eingebracht und mit der Beantwortung wird in den nächsten Tagen gerechnet (es stehen dem Regierungsmitglied immer zwei Monate für die Beantwortung zur Verfügung).
Stadt-Land-Gefälle aufzeigen
Bei der Anfrage geht es auch darum, die Unterschiede bei der Versorgungsdichte in den Zentralräumen und den ländlicheren Regionen aufzuzeigen. Tatsächlich ist nämlich im Zentralraum regelmäßig ein dichteres Kinderbetreuungsnetz vorhanden, während in den ländlichen Regionen die Versorgungsstrukturen oft deutlich geringer als im Oberösterreich-Durchschnitt sind. Dem SPÖ-Klub geht es dabei um ein Aufzeigen der Betreuungsrealität in Oberösterreich, die Grundlage für eine echte Kinderbetreuungsoffensive bilden kann. Denn durch die Ausbauschritte der vergangenen Jahre konnte Oberösterreich im Bundesländervergleich nicht nach vorne kommen. Der Grund: Die anderen Bundesländer haben auf höherem Niveau startend noch stärker als Oberösterreich ausgebaut.
VIF-Kriterien Bundesländervergleich
Für Qualität bei der Kinderbetreuung gibt es messbare Kriterien. Diese werden durch den Vereinbarkeitsindikator Beruf und Familie – kurz VIF genannt – abgebildet. Auch die Statistik Austria verwendet diese offizielle Klassifizierung.
Damit eine Kinderbetreuungseinrichtung VIF-konform ist, muss:
- an 5 Wochentagen ein Mittagessen angeboten werden
- mindestens 45 Wochenstunden geöffnet sein (MO-FR)
- an 4 Tagen mindestens 9,5 Stunden geöffnet sein
- nicht länger als maximal 5 Wochen pro Jahr geschlossen sein
VIF-konforme Betreuung von Unter-3-Jährigen
| Österreich | Wien | Ktn | Tirol | Vbg | Sbg | NÖ | Bgld | Stmk | OÖ |
| ~14,7% | 38,5% | 13,4% | 10,9% | 10,6% | 9,0% | 7,6% | 7,2% | 6,2% | 3,6% |
Quelle: Statistik Austria, Kindertagesheimstatistik
VIF-konforme Betreuung von 3-6-Jährigen
| Österreich | Wien | Stmk | Sbg | Tirol | Ktn | Bgld | NÖ | OÖ | Vbg |
| ~38,7% | 90,1% | 35,6% | 31,8% | 27,1% | 23,1% | 21,0% | 20,7% | 20,3% | 10,5% |
Quelle: Statistik Austria, Kindertagesheimstatistik
Die VIF-Auswertung zeigt den oberösterreichischen Handlungsbedarf auch in qualitativer Hinsicht deutlich auf. Das Ziel muss auch hier sein, Oberösterreich ins Spitzenfeld zu führen – sowohl bei den Angeboten wie auch bei der Qualität. Denn eins ist klar: Ein familienfreundliches Bundesland zu sein erfordert mehr als gute Kinderbetreuung. Es geht aber nicht ohne gute Kinderbetreuung!
Den Familienkalender des SPÖ-Klubs gibt’s auch für 2017
Als Zeichen der Wertschätzung für Familien hat der SPÖ-Klub bereits zum dritten Mal in Folge einen eigenen Familienkalender produziert. Die Besonderheit des Kalenders ist, dass er in spielerischer und kindgerechter Form gestaltet ist und über Terminspalten für alle Mitglieder einer 4-köpfigen Familie verfügt. Denn alle Eltern mit Kind wissen: Ein funktionierendes Familienleben erfordert gutes Termin-Management. Wenn alles ausreichend geplant ist, lädt der Kalender auch zu gemeinsamen Aktivitäten ein. Mit familiengerechten Kochrezepten und saisonalen Basteltipps kann ohne großen Aufwand gemeinsam Familienzeit erlebt werden. Aufgelockert wird der Kalender noch durch Scherzfragen, Buchtipps, wissenswerte Infos und Illustrationen der Künstlerin SEABEE.
Der Familienkalender des SPÖ-Klubs erscheint für 2017 in einer Zahl von 15.000 Stück. Die ersten 1.000 Exemplare wurden bereits an interessierte Familien verteilt. Weitere Produkte können kostenlos beim SPÖ-Klub: oder bei den regionalen Abgeordneten angefordert werden.
„Unser Familienkalender soll Familien als kleines und nützliches Geschenk eine Freude machen. Wir möchten damit den Familien in Oberösterreich ganz bewusst ‚Danke‘ sagen und gleichzeitig auf charmante Art auf unsere Anliegen für Familien in Oberösterreich hinweisen“, betont SP-Familiensprecherin Petra Müllner. Sie ist im SPÖ-Klub hauptverantwortlich für den Familienkalender.