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SP-Sportsprecher Lindner fordert unabhängige ExpertInnen-Kommission zur Klärung der Missbrauchsfälle im OÖ-Sport: „Die Zeit des Drüberschwindelns ist jetzt vorbei!“

28. März 2019

SP-Sportsprecher Lindner fordert unabhängige ExpertInnen-Kommission zur Klärung der Missbrauchsfälle im OÖ-Sport: „Die Zeit des Drüberschwindelns ist jetzt vorbei!“

Die verdächtige Ruhe in Sachen Missbrauchsfälle rund um einen oö. Langlauftrainer ist für die SPÖ Oberösterreich Grund genug, bei der Aufarbeitung einen Gang zuzulegen.

„Die Zeit des Drüberschwindelns ist jetzt vorbei. Wir fordern, dass so rasch wie möglich eine unabhängige ExpertInnen-Kommission zur Klärung der ungeheuerlichen Vorfälle eingesetzt wird. Das Beispiel Tirol hat gezeigt, dass es bei solchen Taten eine fundierte Analyse braucht. Die vom zuständigen Landesrat Achleitner eingerichtete Hotline ist garantiert nicht genug. Er hat auch zu spät reagiert – und erst auf politischen und medialen Druck. Es geht uns um einen nachhaltigen und umfassenden Schutz von Kindern und Jugendlichen vor Machtmissbrauch im Sport. Daher laden wir die anderen Landtagsfraktionen ein, bei der nächsten Landtagssitzung einen gemeinsamen Antrag zu einzubringen“, sagt der Landtagsabgeordnete und SPOÖ-Sportsprecher Michael Lindner.

„Spitze des Eisbergs“

Die Ergebnisse einer umfangreichen deutschen Studie haben gezeigt, dass eine/r von neun Befragten Kader-AthletInnen schwere und/oder länger andauernde sexualisierte Gewalt im Sport erfahren hat. Legt man diese Zahlen auf Österreich oder Oberösterreich um, dann geht Lindner bei den bekanntgewordenen Vorwürfen in Oberösterreich von einer „Spitze des Eisbergs“ aus: „Innerhalb kürzester Zeit haben sich fünf Frauen gemeldet. Betroffene und Menschen aus dem Umfeld sprechen in Medienberichten davon, dass es schon lange bekannt gewesen ist. Das alles spricht dafür, dass es hier strukturelle Probleme im sogenannten Sportland OÖ gibt“, so Lindner.

Alle ExpertInnen seien der Meinung, eine Aufarbeitung müsse mit einer unabhängigen Kommission außerhalb der Sportstrukturen beginnen – parallel zu den polizeilichen Ermittlungen. Landesrat Achleitner sei jetzt gefordert, von einer Kommission alles auf den Tisch legen zu lassen: „Der Schutz unserer Kinder und Jugendlichen vor Machtmissbrauch im Sport macht es unabdingbar, dass man hier jetzt endlich in die Offensive geht!“, stellt Lindner weiters fest.

Umfangreiche Aufarbeitung und klare Konsequenzen

„Nur eine umfangreiche Aufarbeitung und klare Konsequenzen im ‚Sportland OÖ‘ stellen das Vertrauen in ein einwandfreies Sportbetreuungssystem in Oberösterreich wieder her“ sagt Lindner. Und weiter: „Das ist wichtig für eine Stärkung der (Nachwuchs-)AthletInnen. Man müsse ihnen jetzt mit einer offensiven Aufarbeitung zeigen, dass sie sich wehren können und sollen. Dazu braucht es auch eine laufende Bewusstseinsarbeit mit den jungen SportlerInnen und eine dauerhafte Ansprechstelle, außerhalb der Sportstrukturen in einem anonymen und vertraulichen Rahmen.“

Diese Vertrauensarbeit ist aber auch aus Sicht der Eltern unabdingbar: „Eltern geben ihre minderjährigen Kinder in ein Leistungsumfeld, in dem ihre Kinder stark gefordert werden. Eltern brauchen das unbedingte Vertrauen, dass ihre Kinder hier geschützt sind“, so Lindner.

Oberösterreich könne hier jetzt Pionierarbeit leisten: „Mit einer umfassenden Untersuchung und der Einrichtung einer übergeordneten Anlaufstelle kann Sportlandesrat Achleitner jetzt reinen Tisch machen und Oberösterreich hier zum Vorreiter machen. Dazu laden wir alle Landtagsfraktionen mit einem Antrag zur nächsten Sitzung ein!“

Nicola Werdenigg gründete Institut #WeTogether

Unterstützung holte sich Landtagsabgeordneter Lindner von Nicola Werdenigg, die mit ihrer persönlichen Geschichte wesentlich dazu beigetragen hat, dass Machtmissbrauch im Sport ein breit diskutiertes Thema ist. Mittlerweile hat sie mit #WeTogether (wetogether.eu) ein Institut zur Prävention von Machtmissbrauch im Sport“ gegründet.

Werdenigg verweist auf das Projekt „Safe Sport“ aus Deutschland. Ziel dieses Projektes ist die Schließung von Forschungslücken und die Prävention von sexualisierter Gewalt im Sport. Dazu wurden in einer Studie der Sporthochschule Köln erstmals 1.799 Kader-AthletInnen aus 128 verschiedenen Sportarten zu sexualisierter Gewalt im Sport befragt. Das Ergebnis ist bedrückend.

Umfassende Studie für Österreich

Eine umfassende Studie für Österreich ist zugesagt, auch die Finanzierung. Organisatorische und administrative Details werden in den nächsten Wochen geklärt. Darüber hinaus gibt es auch eine allgemeinere europaweite Studie, in die Österreich involviert sein wird. Der Arbeitskreis von 100 % Sport ist dabei sehr bemüht um zeitnahe und effektive Lösungen.

Clearingstelle

Eine übergeordnete Clearingstelle für Betroffene von Machtmissbrauch im Sport – sexuelle Übergriffe, psychische und physische Gewalt – hat oberste Priorität. Im Rahmen dieser Clearingstelle ist eine professionelle Betroffenen-Meldestelle ein Punkt, der von den Arbeitskreisen 100 % Sport bereits konkret erarbeitet wurde. Die Umsetzung sollte so rasch wie möglich realisiert werden.

Umfang, Themen, Arbeitsweise

„Eine unabhängige ExpertInnen-Kommission zur Klärung der aktuellen Fälle in Oberösterreich ist  sinnvoll und wichtig. Um effektiv arbeiten zu können, muss genau abgeklärt werden, welche Ziele durch die Untersuchungen erreicht werden sollen“, sagt Werdenigg.  Erste Anhaltspunkte für ExpertInnen-Besetzung, Umfang, Themen und Arbeitsweise könnten aus den Erfahrungen der Kommission des Landes Tirols gewonnen werden. 100 % Sport sei auch hier ein geeigneter Ansprech- und Kooperationspartner. 

EU-Erasmus-Projekt

Bereits im Frühling 2018 wurde ein EU-Erasmus-Projekt abgeschlossen, das von sexueller Gewalt betroffenen AthletInnen eine Plattform gab, sich mit ExpertInnen und vor allem auch untereinander auszutauschen. Eine Haupt-Motivation der „Sister & Brother Survivors“ liegt in der Prävention. Werdenigg: „Jungen SportlerInnen soll Mut gemacht werden, über ‚Dinge‘ zu reden, die ihnen Unbehagen bereiten, bevor es zu Übergriffen kommt.“ 

„Die EU-weite Vernetzung ist für mich im Rahmen meiner Tätigkeit für #WeTogether ein großes Anliegen, der Austausch von Betroffenen ein sehr wichtiger Aspekt“, schließt Werdenigg.

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